Der wilde April

 

Weh, der Narr, der wilde April! Aufs neue

Regen, Schnee und wirbelndes Eis und Windstoß

Bringt er. Veilchenäugig dazwischen leuchtet

Himmlische Bläue.

 

Einen Tag lang tut er wie Sommer. Kinder

Singen, und am Waldrand die Steine glänzen

Goldhell. Aber schmächtigen Glauben höhnend

Krächzt er schnell: Winter!

 

Unbeständig spielt der Gesell und seine

Laune. Warte! Sei wie ein Kind nicht! Bald sind

Mai und Juni. Wochenlang glühn dann die Wälder,

Wiesen und Steine.

 

(Georg Britting. In: April. Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell. Reclam Stuttgart 2014)