Als ich noch ein braves Schulfräulein war, schaute ich vor Jahren Pfarrersfernsehen nachmittags. Wie ein Insekt hieß die Sendung. Lauter johlende Rentner saßen da.

Heute sitze ich in derben Wanderschuhen ab und an und schaue tatsächlich Shopping Queen. Obwohl ich mich ständig davor warne.

Abends manchmal in Brandy eingeweichte Rosinen.

Heute ist meine Second-Hand-Anzugsübergrößenweste an den Schultern bekleckert vom Enkelwaffelkaffeetunkeessen und so.

Mit der Schubkarre, in der er saß, haben wir bisschen Hundschubsen gespielt.

Zu allem Überfluss fand ich unter doppelt stehenden Bücherreihen einen Stapel Bürgerkulturanempfehlungen, oll verstaubt, saumäßig artig, mit Sammeltassenartikeln und Grzimekgeschichten. Die verblassten Magazine heißen „Westermanns Monatshefte“.

Sehr betuliche Lehrmeisterliteratur. Eine Tabakwerbung für eine Zigarettenmarke, von der ich nie hörte: Sonnenmild TEXAS Golden Virginia -Cigaretten. Zwei Tabakplantagenbesitzer betrachten sich die neue Ernte, der eine raucht und greift zum schwarzen Telefonapparat, der andere hält ein riesiges, goldgelbes Tabakblatt hoch und trägt seine Zigarette lässig aufs Ohr gesteckt, knapp unterm Panamahut.

Morgen hole ich mir im Discounter mit A die neuen Leerkalender fürs nächste Jahr. Jeden Monat Platz für Schrägschönpostkarten, Collagen oder kleine Zeichnungen…

Von den Flüchtlingskindern, die im Taxi zur Schule gebracht werden, wehrt sich das Kleinste täglich heftig und weint den ganzen Schulvormittag. Es kapiert nicht, dass es weg von seinen Eltern muss. Für die junge Lehrerin kaum zu bewältigen – kein Mensch weiß, wie überhaupt alles…zu bewältigen wäre. Großes Fragezeichen. FRAGEZEICHEN.