Man muss doch verdammt andere Dinge zu tun haben, wenn man tot ist. Dieser Gedanke bei Betrachtung des Muttergartens, wie er jetzt ist. Dornröschen wuchert emsig. Sie wäre längst da, die Mutter, aber nein, da geht nichts mehr. Da kann mein inneres oder sonstiges Kind laut und leise jammern und beschwören, beliebig lang und leiselaut.

Der Vater senst per Hand unendliche Brennnesselfelder, damit er körperlich was zu tun hat, zieht sechszehn kleine Enten groß, lässt die Hühner laufen, der Fuchs hat seine Jungen groß.

Er erzählt, dass er als Kind ein Jahr von Oberschlesien weg bei Tante und Onkel in Berlin war, mit Schuleintritt zurückmusste, daheim ausgelacht wurde, weil „Icke“ und Berlinern kam da nicht gut an. Die Eltern hatten ihn, den kleinen Süßen, den kinderlosen Verwandten freundlich ausgeliehen. Einmal sah er, wie alte, kleine Weiberchen mit gelbem Stern am armen Mantel von jungen Burschen bespuckt, getreten, angepöbelt wurden- und wenn er von den neuen Nazis liest, wird ihm so Angst, so Angst.

Erzählte, dass der Vater seiner Mutter Kommunist war, der Vater des Vaters dieser schreibende Sozi, dessen Manuskripte ich habe.

Dass er als junger Mann auswandern wollte nach Kanada – und da kam ich dazwischen. Ich war des Dableibens Grund und Wendepunkt.

Ich denke an Lo Linkert, Mutters Cousin, den wir dort besuchten, der massenhaft polititsche und Golfkarikaturen gezeichnet hat, seine herrliche Wohnung am Frazer River, von wo aus er den beständig rauchenden Vulkan Mount Rainier mit dem Fernglas beobachtete.

Es zog mich immer nach Kanada, auch als ich von der Familiengeschichte noch nicht wusste.

Und unsere Tochter schon als Kind nach Amerika, wo sie heute einen Feiertag hat und mit Freundinnen Schönes unternimmt.

Merkwürdig, unsere Söhne wollten von jeher heftig hier am Ort bleiben- so ist es- sie wollte schon als Kind in einer Frauen-WG in Amerika leben. –