Meine Mutter, 76, ließ im Cafe ein Joghurttörtchen zurückgehen. Die Bedienung meinte: Das ist nicht schlecht. Das schmeckt bei uns immer so. Mutter bestand darauf und durfte sich einen frischen Windbeutel holen. Nun schwärmte sie von den Windbeuteln ihrer alten Lieblingstante (Frau eines Bankdirektors, immer in der Kittelschürze, kurz gehalten, da der Herr eine anspruchsvolle Geliebte hatte, deshalb die Kittelschürzige keine Schuhe um auf die Straße zu gehen, dergleichen Elendiges gäbe es viel mehr zu erzählen). Nun diskutierten wir, wie denn die Tante die Windbeutelsahne steif gehalten hat. Mittelchen gab es früher nicht.

Die großen Dinge sind abgehandelt, ausgelitten, unwiederbringlich. Die Kinder dieser armen Tante sind nach Kanada ausgewandert. Der eine war ein weltbekannter Karikaturist, Lo Linkert, den ich kurz vor seinem Tod noch suchte, fand und besuchte. Er weinte vor Glück, noch einmal jemanden aus der Heimat zu sehen! Er trug einen Sauerstoffschlauch in der Nase und meinte dazu: Jaja, meine Cognacpumpe will nicht mehr so!

Na, bei der Sahneunsteifheit kamen wir zu keinem Ergebnis außer dass die Tantenbeutel köstlich waren.

Sodann erzählte mir Mutter noch, dass sie vorhin ein kleines lustiges Erlebnis hatte. Auf dem nachmittags leeren Schulhof der nächsten Grundschule geparkt, standen da ein wartendes Kind mit seiner Oma. Das Kind fragte meine Mutter: Sind Sie hier eine Lehrerin?

Ihre Antwort: Noch nicht.

Die andere Omi grinste und meinte: Gelle, in einem anderen Leben dann später!

Kleinere Kinder können das Alter schwer einschätzen. Mich halten sie für zwischen 37 und 70 Jahre alt, wenn sie denn mal fragen und ich sie auffordere, ihre Vermutungen zu äußern.