Ihretwegen sind manche Menschen in der Kirche geblieben, ihretwegen haben sie ihre Kinder taufen lassen! Dieses und viel mehr sagte heute in einer Radiosendung von HR 2 ihr Witwer, ein ehemaliger Benediktinermönch. Sie war sehr präsent, streitbar, unbequem, aber auch lebenslustig, kreativ, haushaltlich weniger gut….Das sind Beschreibungen, die mir gefallen, auch dass sie mit Böll Sitzblockaden machte, dass sie in die armen Länder reiste, gegen Ungerechtigkeiten kämpfte, Pablo Neruda mochte usw. Vor allen Dingen aber dieses Nachdenken über Auschwitz und Gott. Dass es nicht so einer sein könnte, der allmächtig irgendwo sitzt- aber nicht in der Lage oder willens ist, die Züge zu diesem unmenschlichen Ort anzuhalten!

Als Kind und Jugendliche war ich fromm, gläubig, ein paar miese Pfarrer machten mir wenig aus, gab es doch die vielen mit den guten Augen, den warmen Händen, der gutartigen Ausstrahlung. Kirchen waren mir immer ein Ort der Geborgenheit und wackelte es draußen noch so sehr. Als ich spät- weil irgendwie kamen wir im Fach Geschichte nie bis zu dieser Zeit- von den Nazis und der Shoa erfuhr, ging mein naiver Kinderglaube schnell den Bach runter. Das war nicht zu vereinbaren. Ich will noch mal nachlesen, welche Gedanken sich Frau Sölle dazu gemacht hat.

Für die Institution Kirche war sie immer ein Rotes Tuch, was sie mir so angenehm und nachforschenswert macht!