Bei „April“ gibt es interessante Fotos, z.B. von der Stadtautobahn in Saarbrücken. So habe ich die noch nie gesehen, immer nur im Radio von deren Überschwemmung gehört.
Auf „Barbaras Spielwiese“ gibt es ein schnelles Apfelkuchenrezept mit Foto eines solchen inmitten Herbstnatur.
Neu in meiner Blogroll ist die „Globetrotterin“.
Lese grad ein amüsantes Buch von Arno Surminski (Amanda oder Ein amerikanischer Frühling), aber an sein davor erschienenes Buch „Die Vogelwelt von Auschwitz“ kommt es nicht heran!

Im Lesesaal der Bibliothek in der aktuellen „Psychologie heute“ den Artikel zum Thema Tagebücher überflogen. Nichts Neues. Gefallen hat mir der Hinweis auf Elisabeth Mardorfs schönes Buch „Ich schreibe täglich an mich selbst – Im Tagebuch die eigenen Stärken entdecken“.
Der gesamte Buchtrakt roch nach Waffeln und heißen Kastanien, denn Fenster und Türen standen offen und vor dem Haus ist Allerheiligenkirmes. Merkwürdig, wenn da Leute kurzärmelig durch die Gegend rennen. Gegenüber der große Quelle-Laden sieht noch trostloser aus als im Sommer. Die kreischende Bibliothekarin ist ruhig geworden, fragt nicht mehr Büchersuchende durch den ganzen Raum sehr laut nach ihren Darmbeschwerden oder der Inkontinenz der Oma. Telefoniert auch nicht mehr privat und ungeniert.
Letzte Nacht saß ein schneeweißer Königspudel auf einem Ast unseres dicksten Apfelbaums. Hellpudriger Staub um ihn herum. Kleine Traumsequenz. Die Mutter will ein anonymes Grab. Die Tochter ist enttäuscht von Amerika. Der Mann fliegt vielleicht bald wieder hin, hundegroße Pferdchen holen. Frachtmaschinenbegeistert. Der Vater wandert auf La Palma. Andere Verwandte pflegen in der Heimat Gräber schön. Im Lehrerzimmer weint eine Referendarin nach einem Unterrichtsbesuch. Die Frau vom Seminar hätte sich gewünscht, dass sie mal richtig laut geworden wäre. Dabei sind wir an der Schule so stolz auf das Funktionieren der nonverbalen Stillezeichen, die wir mit den Schülern ausgehandelt haben. Die Seminarfrau hielt das für unangemessene Dressur. Es geht ja auch nicht an, dass gleich beim ersten Unterrichtsbesuch den jungen Leuten alles glückt. Ironie. Und immer wieder erzeugen solche Vorführstunden Fassungslosigkeit,Tränen und angekratztes Selbstwertgefühl.

nach langem probieren endlich weg. mit der überschrift klappt es nicht.

die kommentare bleiben auch.

und danke!

vielleicht unverständlich.

man gönne mir nervöse reaktionen.

 

- von einem Bestattungsunternehmer, der versucht, verfrühten Toden zu entgehen, indem er das Motorradfahren aufgegeben hat und die Badewanne immer mit Sand ausstreut. Wobei: Sand müsste man festkleben, oder?
- von der jungen Sängerin, die in Kanada alleine wandern ging und ungewöhnlicherweise von Kojoten derart aggressiv attackiert wurde, dass sie daran starb.
- von den Wormser Nibelungenfestspielen, die leider vorerst auf Eis gelegt wurden, also auch gestorben. Schade, denn ich sah den verstrubbelten Herrn Wedel oder andere ungewöhnlich für diese Arbeiterstadt gestylte Leute gern herum laufen. Lockangebote. Kulturbanausengeiz fordert seine Opfer.
-Traum von meiner Alzheimer kranken Tante, die mit schwarzer Dicklockenturmfrisur vor einem Berg knallroter Tomaten saß und schmatzend speiste. Mit Küchenkittel und drunter nix. Sie stammte vom Zigeunerberg und seifte ihren Sohn in der Badewanne ab bis er 15 oder so war.  Sie hatte dunkelbraune Feueraugen, wilde, die nun trübe und wie erstorben schauen.
- Aktuell: Wackelaugen auf gemalte Kürbisse geklebt- kam bei den kleinen Schülern gut an.

-meine schlesische Großmutter würde da sitzen, den Kopf schütteln und schimpfen: Nu tu ock ni aso tumme!

 

Den Grad der Spießigkeit zeigt ein Gummibaum an. Meinen und ein paar andere Zimmerdinger mag ich nicht. Wegwerfen käme einem Tötungsakt gleich. Und ein Heim oder so was dafür gibt es nicht, höchstens könnte ich einige vor dem nächsten Frost bisschen an die frische Luft bringen. Gestörtes Pflanzenmuttiverhalten.
In gestörten Träumen schwebt unser Hausmeister inmitten einer Mehl- und Glitzerpuderwolke mit ausgebreiteten Armen durch die Schulgänge. Heute spritzte er mit gutem Trinkwasser die Blätter vor dem Klassenraum irgendwohin. Und einige Schüler meinten beim Mittagessen: Booah, schmeckt echt porno, gell?
Reis, Karottenscheiben und ein Frikadellenklümpchen mit lecker Soße. Eine Siebenjährige sagt auf meine Frage nach ihrer Lieblingsfarbe: Das habe ich für mich noch nicht abgeklärt!
Am Herbsthimmel später ein merkwürdiges, riesiges silbernes Ding- weiter weg. Jetzt kommen sie, grübelte ich und schaute nach jeder Kurve wieder dorthin. Es drehte ab und war ein Zeppelin. Wo ich doch grad erst am Bodensee war.
Eine Neurowissenschaftsdame schreibt, wir älteren hätten noch schöne, normale Gehirne, könnten lange Geschichten erzählen, dicke Bücher lesen und unseren eigenen Vorstellungen lauschen dabei- die jüngeren Menschen hätten schon fast alle eine Art digitales Gehirn. Sprunghaft, Multi-tasking, hopp und weg, weiter, schneller, bloß nicht in die Tiefe….Da ist was dran.
In Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ finde ich Gedanken, die ich auch gerne formuliert hätte. Schon drei meiner Freundinnen sind gestorben. Die letzte hatte mir noch erzählt, was für eine große Liebe sie sich verkniffen hat. Und nur deshalb, weil ihr Gatte dazu neigte, bei Unstimmigkeiten sehr jähzornig zu werden. Er warf dicke Biergläser durch die Terrassentür oder sie mit Gewalt aufs Ehebett. Der war Arzt. Sie hatte sich in einen Reiseführer in Polen verliebt, einen markigen Naturkerl. Was folgere ich daraus?

Das Wort hörte ich gestern im Rahmen einer aktuellen Sendung im Radio. Es ging um den Tod eines jungen Soldaten in Afghanistan- ich hörte nur den Satz: Jemand kümmerte sich darum, dass die persönlichen Habseligkeiten des Getöteten in die Heimat gebracht wurden.

Dieses zu hören, fand ich schlimm, ließ mich nachdenken darüber, was das gewesen sein könnte.

Abgesehen von derart Üblem ist es ein schönes, romantisches, heimeliges Wort, find ich.

Was man auf eines Menschen Seelentischchen niederlegen und betrachten kann.

Und dieses Tischchen sähe für jeden Menschen anders aus.

Bei mir lägen wohl: ein Moleskine-Notizbuch, eine glänzende Holzperlenkette von der Schwester aus Heidelberg beschafft, ein Kästchen beste Buntstifte, Bücher und die Lesebrille, Kerzen, Streichhölzer, Fotos meiner Lieblingsmenschen und, und….was ich haben muss zur Seligkeit…
(Habseligkeiten wurde mal zu einem der schönsten deutschen Wörter gewählt. Diesmal war es ein „Wort-des-Tages“ der entsprechenden mailing-Liste)

Eben irgendwo gelesen, dass Chinesen einandern fragen, wenn sie wissen wollen, ob wer einen von der Zensur unbehelligten Internetzugang hat, ob sie über die Mauer springen könnten…

Berauschet Euch

Man muß immer trunken sein. Das ist alles: die einzige Lösung. Um nicht das furchtbare Joch der Zeit zu fühlen, das euere Schultern zerbricht und euch zur Erde beugt, müsset ihr euch berauschen, zügellos. Doch womit? Mit Wein, mit Poesie oder mit Tugend, womit ihr wollt. Aber berauschet euch.
Und wenn ihr einmal auf den Stufen eines Palastes, auf dem grünen Grase eines Grabens, in der traurigsten Einsamkeit eures Gemaches erwachet, der Rausch schon licht geworden oder verflogen ist, so fraget den Wind, die Woge, den Stern, den Vogel, die Uhr, alles was flieht, alles was seufzt,alles was vorüberrollt, alles was singt, alles was spricht, fraget sie: „Welche Zeit ist es?“ und der Wind, die Woge, der Stern, der Vogel, die Uhr werden euch antworten:
„Es ist Zeit, sich zu berauschen! Um nicht die gequälten Sklaven der Zeit zu sein, berauschet euch; berauschet euch ohne Ende; mit Wein, mit Poesie oder mit Tugend, womit ihr wollt!“
(Charles Baudelaire)

Im Traum fielen tote Kinder auf Gartentische, kleine Hände lagen im Teich. Das ist noch von Überlingen.
Letzte Nacht war es die frömmelnde Faltenrockkollegin, die mir erzählte, dass sie sich intensivst mit Henry Miller beschäftige. Meine Rede darauf hin: Ei, DAS ist aber mal eine heiße Kiste, hätte ich dir nicht zugetraut!
Nicht träumend suche ich eine Schreibe, die all diese in sich vereinigt:
Miller-Hesse-Kerouac-Irving-Lily Brett-Nöstlinger-Härtling-Colette-Ortheil-Lenz-manchmal gar Handke oder Walser.
Walser wurde aus einem Cafe in Konstanz geworfen, weil er darauf beharrte zu rauchen…
Das nur am Rande.

Versuch es
Stell dich mitten in den Regen,
glaub an seinen Tropfensegen -
spinn dich in das Rauschen ein
und versuche gut zu sein!

Stell dich mitten in den Wind,
glaub an ihn und sei ein Kind -
laß den Sturm in dich hinein
und versuche gut zu sein!

Stell dich mitten in das Feuer,
liebe dieses Ungeheuer
in des Herzens rotem Wein -
und versuche gut zu sein!
(Wolfgang Borchert)