Im Lesesaal der Bibliothek in der aktuellen „Psychologie heute“ den Artikel zum Thema Tagebücher überflogen. Nichts Neues. Gefallen hat mir der Hinweis auf Elisabeth Mardorfs schönes Buch „Ich schreibe täglich an mich selbst – Im Tagebuch die eigenen Stärken entdecken“.
Der gesamte Buchtrakt roch nach Waffeln und heißen Kastanien, denn Fenster und Türen standen offen und vor dem Haus ist Allerheiligenkirmes. Merkwürdig, wenn da Leute kurzärmelig durch die Gegend rennen. Gegenüber der große Quelle-Laden sieht noch trostloser aus als im Sommer. Die kreischende Bibliothekarin ist ruhig geworden, fragt nicht mehr Büchersuchende durch den ganzen Raum sehr laut nach ihren Darmbeschwerden oder der Inkontinenz der Oma. Telefoniert auch nicht mehr privat und ungeniert.
Letzte Nacht saß ein schneeweißer Königspudel auf einem Ast unseres dicksten Apfelbaums. Hellpudriger Staub um ihn herum. Kleine Traumsequenz. Die Mutter will ein anonymes Grab. Die Tochter ist enttäuscht von Amerika. Der Mann fliegt vielleicht bald wieder hin, hundegroße Pferdchen holen. Frachtmaschinenbegeistert. Der Vater wandert auf La Palma. Andere Verwandte pflegen in der Heimat Gräber schön. Im Lehrerzimmer weint eine Referendarin nach einem Unterrichtsbesuch. Die Frau vom Seminar hätte sich gewünscht, dass sie mal richtig laut geworden wäre. Dabei sind wir an der Schule so stolz auf das Funktionieren der nonverbalen Stillezeichen, die wir mit den Schülern ausgehandelt haben. Die Seminarfrau hielt das für unangemessene Dressur. Es geht ja auch nicht an, dass gleich beim ersten Unterrichtsbesuch den jungen Leuten alles glückt. Ironie. Und immer wieder erzeugen solche Vorführstunden Fassungslosigkeit,Tränen und angekratztes Selbstwertgefühl.