Den Grad der Spießigkeit zeigt ein Gummibaum an. Meinen und ein paar andere Zimmerdinger mag ich nicht. Wegwerfen käme einem Tötungsakt gleich. Und ein Heim oder so was dafür gibt es nicht, höchstens könnte ich einige vor dem nächsten Frost bisschen an die frische Luft bringen. Gestörtes Pflanzenmuttiverhalten.
In gestörten Träumen schwebt unser Hausmeister inmitten einer Mehl- und Glitzerpuderwolke mit ausgebreiteten Armen durch die Schulgänge. Heute spritzte er mit gutem Trinkwasser die Blätter vor dem Klassenraum irgendwohin. Und einige Schüler meinten beim Mittagessen: Booah, schmeckt echt porno, gell?
Reis, Karottenscheiben und ein Frikadellenklümpchen mit lecker Soße. Eine Siebenjährige sagt auf meine Frage nach ihrer Lieblingsfarbe: Das habe ich für mich noch nicht abgeklärt!
Am Herbsthimmel später ein merkwürdiges, riesiges silbernes Ding- weiter weg. Jetzt kommen sie, grübelte ich und schaute nach jeder Kurve wieder dorthin. Es drehte ab und war ein Zeppelin. Wo ich doch grad erst am Bodensee war.
Eine Neurowissenschaftsdame schreibt, wir älteren hätten noch schöne, normale Gehirne, könnten lange Geschichten erzählen, dicke Bücher lesen und unseren eigenen Vorstellungen lauschen dabei- die jüngeren Menschen hätten schon fast alle eine Art digitales Gehirn. Sprunghaft, Multi-tasking, hopp und weg, weiter, schneller, bloß nicht in die Tiefe….Da ist was dran.
In Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ finde ich Gedanken, die ich auch gerne formuliert hätte. Schon drei meiner Freundinnen sind gestorben. Die letzte hatte mir noch erzählt, was für eine große Liebe sie sich verkniffen hat. Und nur deshalb, weil ihr Gatte dazu neigte, bei Unstimmigkeiten sehr jähzornig zu werden. Er warf dicke Biergläser durch die Terrassentür oder sie mit Gewalt aufs Ehebett. Der war Arzt. Sie hatte sich in einen Reiseführer in Polen verliebt, einen markigen Naturkerl. Was folgere ich daraus?