Beim Frankfurtbesuch gestern eine Weile im großen Buchkaufhaus H. gestöbert. Mich danach ins integrierte Cafe gesetzt und Merkwürdiges beobachtet. Nun frage ich mich, ob das eine Geschäfts steigernde Maßnahme ist oder sich einfach so eingebürgert hat: dort saßen lesende oder gar aus Büchern schreibende Kunden bei einer Tasse Cafe oder Biolimo, manche Stapel von 4, 5 oder mehr Büchern vor sich und drin lesend. Ein alter Herr am Nebentisch las in Büchern über Tibet nach, eine Walleröcke mit Bergstiefeln tragende Walküre blätterte in Gartenbüchern. Wenn sie gingen, all die Leute, ließen sie einfach die Bücher auf den kleinen, runden Tischchen liegen.
Eine wohl extra dafür eingeteilte junge Dame kam hurtig, nahm die Stapel und sortierte die Bücher wieder in die richtigen Regale, auch wenn die in andren Stockwerken lagen. Ich habe beinah bedauert, dass ich mir kein Cafetischchenbuch ausgeliehen hatte für meine halbe Stunde Wartezeit dort.

2 comments
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Mai 23, 2008 um 11:05
tinius
Wohl beides : Einkauf wird in manchen Verkaufsphilosophien als „Erlebniswelt“ verstanden. Man bindet letztendlich einen Teil der Kunden. Das Exerpieren belletristischer Texte macht in der Regel wenig Sinn, das Stöbern allenfalls. So kehrt man vermutlich zurück, wenn man einen Buchwunsch hat, bei dem Exerpieren oder Hineinlesen nicht reicht. Die Leute, die immer wieder hinkommen, um ein Buch durchzulesen, dürften in der Minderheit sein – und selbst die bezahlen ihren Verzehr. LG tinius
Mai 24, 2008 um 5:47
Tanja
Genau. Tinius zitiert zwar keine Studien, aber was er sagt ist genau das, was sie ergeben. Dazu kommt, dass Kunden weniger Schaden an Büchern anrichten (durch Essen, Trinken, Eis oder Fett), wenn sie einen Platz dafür bekommen.
In den USA ist was du beschreibst bereits seit den Siebzigern in vielen Buchhandlungen Brauch. (Irgendwo in meinem Schreibtischchaos liegt ein altes Buchzeichen aus Kalifornien, das für einen Coffee- und Bookshop wirbt.)