Merkwürdig, dass ich immer an dieser einen Ampel, wo man bei Rot ziemlich bergauf steht, darüber nachdenke, wie es wäre, plötzlich nicht mehr zu wissen, wie Autofahren, besonders das Anfahren am Berg, geht….

Es hilft, wenn ich diesen doofen Gedanken wegschiebe, an Witze, Wälder oder Moosforscher denke und auf Autofahren ala automatisch schalte.

Matthias Claudius schreibt in einem kleinen Aufsatz über die Freundschaft:”….denn wie du siehst, ist hier, wie in vielen anderen Fällen, ein jeder von ihnen nur sein eigner Freund und nicht des anderen. Ich pflege solch Ding “Holunder-Freundschaften” zu nennen. Wenn du einen jungen Holunderzweig ansiehst, so sieht er fein stämmig und wohl gegründet aus; schneidest du ihn aber ab, so ist er inwendig hohl und ist so ein trocken schwammig Wesen darin.”

Mit meiner Freundin seit Schulzeiten gestern wunderbar im Straßencafe gegenüber dem Wormser Dom gesessen. Eindrücke aufgesaugt, Geschichten von ihr gehört; z.B. welchen Zinnober Grundschuleltern zu veranstalten in der Lage sind wegen einer Trinkflasche, die ein paar Dellen bekam! Ich kann froh sein. Froh war ich nachträglich auch, dass ich dieses Treffen nicht wegen Hitzephlegmatie abgesagt hatte.

Eine Affenforscherin erzählte im Radio von “Kommentargesichtern”. Die machen Berberaffen, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, faul rumzusitzen und den anderen Affen bei ihrem Tun zuzuschauen. Wieder ein neues Wort gelernt. Eines, um das sich mannigfache Fantasien schrauben können: Kommentargesicht. Schön.

In einem vermoosten alten Blumenkasten die erfrorenen winzigen Bäumchen raus gezogen. Das bizzare Wurzelwerkchen bewundert. Einfach umgekehrt wieder “eingepflanzt”. So einen Mooswurzelminiwald hat nicht jeder.

Von Oma-Au-pairs schrieb ich hier vor einigen Monaten, heute Abend berichten welche von ihren Erfahrungen.

Nach frauTV (u.a. bespricht Christine Westermann zwei lesenswerte Bücher) im WDR-Fernsehen. 22.30 Uhr.

Wünschelruthe.

 

Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Eine junge, freche, wilde Journalistin im Jahr 1897. Ihr Name: Nellie Bly. Sie probte ein paar Tage, sich wie eine Wahnsinnige aufzuführen. Es klappte, sie wurde ins Irrenhaus eingesperrt, konnte dort – wie Wallraff sich an Rosinenbrötchenblechen verbrannte-  die früher üblichen schrecklichen “Behandlungen” an sich erleben, an anderen beobachten. Misshandlungen, verdorbenes Essen, Folter mit Wasser, grauslige hygienische Zustände. Ihr Auftraggeber, Zeitungschef, war sehr zufrieden. Nachlesen kann man das im Buch eines Doktoranden, den diese Geschichte fesselte, der sie übersetzt und mit einem Nachwort versehen hat, siehe Kommentar.

Später hat das frühe Undercover-Girl noch eine Reise auf einem Ozeandampfer gemacht. In 72 Tagen um die Welt, ohne Furcht als Prostituierte und Elefantendompteurin gearbeitet, Leute der Korruption überführt, ist Kriegsberichtserstatterin gewesen, hat einen uralten reichen Knacker geheiratet. Der war bald tot und sie vermögend. Immer geschrieben, immer neugierig geblieben, atemlos gestorben…

Zu Zeiten, in denen sie in einer Wohngemeinschaft mit zwei Künstlern und ihrem Sohn lebte, schrieb sie in ihr Tagebuch: Lebenskommunismus ist mir doch unmöglich und ich hab vollständige Nervenattacke Unruhe und tiefe Sehnsucht nach allem möglichen. Aber ich werde wieder malen, das leuchtet über alles. (Franziska zu Reventlow, August 1903)

Die Natur, die alle Sinne anregt, bleibt die reichste Quelle frei verfügbarer Materialien.

(aus dem Buch: Das letzte Kind im Wald? Geben wir unseren Kindern die Natur zurück. Von Richard Louv, mit einem Vorwort von Gerald Hüther)

Die Einsamkeit ist die Treppe zum Gedankenkeller.

Sie ist selbstverständlich wertlos für denjenigen,

der unten nichts auf Lager hat.

Wer aber sein Fäßchen oder gar Fässer, Tonnen dort

liegen weiß – meistens die, welche oben nur wenig

verzapfen – dem fällt es nicht schwer,

die Stunden in dieser erfrischend kühlen

Tiefe totzuschlagen.

(Joachim Ringelnatz, Rabenkalenderblatt 20. Mai 2012)

Wir haben es gewagt, uns auf den Weg zu machen, Neues zu wagen. Das ist mit Anstrengungen, Enttäuschungen und Erfolg, aber auch oft mit einem hohen persönlichen Preis verbunden. Wir sind von den radikalen Denkerinnen nicht in Engpässe geführt worden, sondern sie haben uns entscheidend weitergebracht.

(Rita Süssmuth, 1999)

Archiv

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 36 other followers