Was wollte ich allein hinter einer Almhütte- am Bach die heißen Füße ins Eiskalte patschen lassen, leicht wütend?
Vielleicht einer meiner Sommerträume.
Besser als nachts in finsteren alten Schlachthäusern von Paris oder Chicago beinah über ein fettes Zebra stolpern, beim doch noch gefundenen Metzger vier Schnitzel und einen halben Ring Fleischwurst kaufen, damit zum Auto gehen, in welchem meine Schwester quer über den Vordersitzen liegend italienische Lieder singt.
Ich möchte gern Natur, dort könnte sie viel freier singen. Und ich könnte die Kuhglocken bimmeln hören anstatt Schnitzel und Wurst zu kaufen.
Ich will demnächst Täler im Odenwald besuchen…

Etwa um zehn Uhr ging der Alte zum erstenmal, um sich drüben einen zu zwitschern. Ich stand dann gewöhnlich am Fenster und sah nach dem Hotel hinüber, wo George Sanduskuy die schweren Koffer auf die Taxis lud. Wenn keine Koffer zu heben waren, legte George die Hände auf den Rücken und machte Kratzfüße vor den ein und aus gehenden Gästen. G.S. hatte schon zwölf Jahre lang Kratzfüße gemacht, Koffer gehoben und Türen geöffnet, ehe ich zum erstenmal meinen Platz am Fenster der Schneiderwerkstatt einnahm. Er war ein reizender, höflicher Mensch mit schönem weißem Haar und stark wie ein Ochse. Er hatte die Arschkriecherei zu einer Kunst erhoben…
(aus „Der Schneiderladen“ von Henry Miller)
Vorher steht da noch über einen anderen beobachteten Menschen, dass der eine gute Entschuldigung hatte, um nicht auf ein bestimmtes Begräbnis zu gehen: er hatte keine Beine.
Ich finde, der Autor Miller kann intensive Milieu- und Menschenschilderungen …ehm, schreiben. In seinen Büchern und Erzählungen fühlte ich mich heimisch wie in einer leicht verruchten Bar mit leiser Stehbluesmusik und wildesten Lebenslaufcocktails…

Das Angstkonzert

Am Himmel türmt sich ein Gewitter,
der Ängstliche greift nach der Zither
und ist nun seinerseits bedacht
daß auch er ein Getöse macht.

Bei Donnerklang und grellen Blitzen
sieht man ihn in der Stube sitzen
und hört ihn singen, laut und viel -
zwar zitternd, doch bei Zitherspiel.
(Peter Scher)

Vor dem Dom zu Worms kam gestern u.a. ein Reisebus mit fast nur Japanern an. Einige spazierten sofort zur öffentlichen Toilette im Rathaus. Was da nun abging…hatte ich doch kürzlich irgendwo gelesen, dass japanische Frauen für die ganze Dauer ihres Klobesuchs die Spülung gedrückt lassen zwecks Unterdrückung “ungebührlicher Geräusche”. Ein Rätsel ist mir auch, wie die das machen bei diesen Kurzspültasten?

Angeregt durch eine Moderation unserer Wort-des-Tages-Liste entstand dieses Gedicht:

ein heißer sommer brach sich

blumenkinderspielplatztaumelig

bahn durch gewitterbäume

buchlos platzten spiele

in eisblumen erstarrte hagelkörner

endlich wieder atmen…

Nun ist es aus, das Buch “Alice”. Im letzten Kapitel starb ihr Mann. Was sie beim Weggeben seiner Sachen findet und empfindet, ist genial beschrieben. Ich könnte mich z.B. nicht über ein hartes, angebissenes, vor Jahren in einer Jacke vergessenes Mandelhörnchen derart sprachintensiv auslassen.
Nun greife ich zu einem humorvollen Buch, nachdem ich vor kurzem ein Gespräch mit der Autorin hörte. Sie ist Bundestagsabgeordnete, lebt in Köln, heißt Lale Akgün. Der Buchtitel klingt amüsant: Tante Semra im Leberkäseland. Schon die Bildchen auf dem knallroten Einband sind kulturmixig. Ich freue mich aufs Lesen.

Wer mag, geht in meiner Blogroll auf “Donna schreibt” und quatscht schriftlich drauflos, warum überhaupt das Bloggen mir und dir in den Sinn kam…

Sommer

Der Berg ist schläfrig von dem langen Sonnen-
bad
Und niemand hat die Wolkenherde auf den
Sommerhimmel hingetrieben;
Sie war zu müd, und schläft hinter den sieben
Horizonten. Auf der weißen Straße trommelt
fern ein Rad.

Jetzt summt ein Mückenschwarm den Nacht-
choral,
Ein kleiner Wind ist aufgewacht und läuft durchs
Tal
Schüttelt die Linde, die vergessen hat, Parfum zu
kaufen;
Dann spielen Kinderhände mit Kartoffel-
stauden
Und zerren an dem weißen Bart von einem Baum.
Der aber scheint zu lächeln, wie ein guter, alter
Herr im Traum.
(Friedrich Glauser, für Paul Schranz)

Werde gleich im Garten breitblättrige Petersilie aus einem Behälter in die Erde pflanzen. Bin froh, dass ich den Namen dieses Krautes nicht laut sagen muss.
Der Mann musste gestern bei einem Sprechtraining immerzu das Wort “Heuwägelchenschlüssel” verschieden silbenbetonend sprechen.

Ohne männliche Gesellschaft welken die Frauen,
die Männer aber werden ohne die Frauen dumm.
(Anton Tschechow)

Nicht die Glücksspenderinnen,
die Trostspenderinnen sind
die besten Frauen.
(Hans Krailsheimer)