“Den Schreck dieses Augenblickes werde ich nie vergessen”, fuhr der König fort.
“Du wirst ihn vergessen”, sagte die Königin, “es sei denn, du errichtest ihm ein Denkmal.”
(Lewis Carroll)

Merkwürdig, so voll unchristlich zu sein und sich dabei ab und zu Gedanken über Kirchenfrauen zu machen. Die, über welche ich nachdenke: Die Päpstin Johanna, Hildegard von Bingen, Dorothee Sölle, Uta Ranke-Heinemann, Margot Käßmann. Und wie meine Schwiemu ihre Heilige Mutter Maria verehrt. Und dieses Riesendenkmal damals in Portugal, strahlend weiß und segnend die Steinhände über das Land gebreitet. Der Nonnenfriedhof neben meiner geliebten klösterlichen Fortbildungsörtlichkeit. Die Oberin, die alles aufs Trefflichste und dennoch meditativ im Griff hat, die früher im Rotlichtmilieu einer Großstadt ihre Fähigkeiten übte. Ja, und die bösen Flatternonnen meiner Kindergartenzeit, sadistische Quälomas mit Krallenhänden und Grausamglitzeraugen.
Es gibt gute, liebe Christenmenschen. Vielleicht habe ich zu viele falsche getroffen. Weiter hoffen.

“Verlieren von Füllern und Kugelschreibern, aus Versehen einen Stift anderer mitnehmen, öfter fein schreibende Filzer von jemandem ausleihen, ganz bewusst Tintenroller in grünen und braunen Tönen im Laden aussuchen, lange – bis zur Perfektion – einen weich schreibenden Bleistift anspitzen, Glasfeder in dunkellila Tintenglas eintauchen und gespannt auf die Farbe der Buchstaben schauen, schwarze Zeichenstriche mit einem dicken Lernfüllfederhalter malen. Das alles probier ich beim Einkaufzettelschreiben, einer Liste, was am nächsten Tag zu erledigen ist. Damit erfreue ich meine Tage.”
(aus “schreiben”, konkursbuch 44, Essay “Schreiben, und am Ende unterschreiben, von Tzveta Sofronieva, erschienen im Claudia Gehrke Verlag, 2006)

Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das
andere Gelegenheit.
(John F. Kennedy)

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
(Rainer Maria Rilke)

Woher komme ich?

Magolves (Eichelhäher)
Schinnoss (ungezogenes Kind)
Lälles (Schwätzer)
Päärdsbrömmeler (Mistkäfer)
Höngelcher (Küken)
Botzlompe (Putzlappen)
Sorreldogge (Brathering)
Dong (Scheibe Brot)

Im Matschgarten hackt eine große schwarze Krähe
nach den verbliebenen, schimmelgrindigen Walnüssen.
Geringe Plusgrade und längere Tageshelle treiben die
Singvögel um. Geplusterte Tauben gucken sich wieder an.
Gurren noch nicht. Der Hütehund legt sich dekorativ auf den harschigen Schneehaufen. In meinen Träumen knuspere ich an Trockensuppenchampions aus pappigen Päckchen. Und warte auf die Post. Und lese weiter im dünnen neuen Buch von Siegfried Lenz, “Landesbühne”. Knasttheater. Theaterknast.

Selten habe ich eine solch intensive, akribische, herzensliebevolle Beschreibung von Geschehnissen um einen Tod herum gelesen wie in Roswitha Quadfliegs Buch: “Der Tod meines Bruders, Die subjektive Wahrnehmung einer Familie”.
Monalisa (s.Blogroll) hatte ein später folgendes Buch von Frau Quadflieg (“Bis dann”) so einfühlsam anregend beschrieben, dass ich es auch las. Es berührte mich, weil auch hier das wilde, alte Leben gleichzeitig ernst und schief grinsend, auch laut lachend, daher kommt.
Zuerst war mir nicht klar, dass es bei der Autorin um eine Tochter des Schauspielers Will Quadflieg geht. Der hatte fünf Kinder. In diesem Buch, das hier noch nicht ausgelesen liegt, geht es um den jüngsten Sohn, der 33-jährig stirbt, der Zeit seines kurzen Lebens “anders” war.
Eben bei den Schilderungen der Beerdigung gluckste ein Lachen die erkrankte Kehle rauf. Als der älteste Bruder, stolpernd über Gräber und Vasen auf dem Weg zum Grab sagt: “Er liegt neben Frau Fleischfresser.”

Ob das wohl noch stimmt, was ich sie gleich sagen lasse? Wenn ich mir manche Grundschulen anschaue (viele), da gab und gibt es nur einen Mann, den Herrn Schulleiter. Inzwischen ändert sich das, was an der Hackordnung meist nichts ändert. Sicher in Firmen und Büros ähnlich. Also:
Sie leben verstreut unter den Männern, durch Wohnung, Arbeit, wirtschaftliche Interessen, soziale Stellung mit einzelnen von ihnen – Mann oder Vater – enger verbunden als mit den anderen Frauen.
(Simone de Beauvoir, 1949)

Dass Rasen mähen sinnlos ist, finde ich nicht.
Dass Bloggen das ist, auch nicht.
Traumperlentaucher (s.Blogroll) und sein Kommentator haben ausführlich darüber nachgedacht. An all den Gedanken ist was Wahres. Jede und jeder entscheidet eh jeden Tag aufs Neue!